Darum geht es uns

Onlineartikel vom Südkurier, 28.10.2020:

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https://www.suedkurier.de/region/hochrhein/kreis-waldshut/enttaeuschung-nach-papst-aussage-zur-weihe-von-frauen-zwei-der-drei-lauchringer-kirchenstreik-initiatorinnen-treten-aus-der-kirche-aus;art372586,10652101

 

Es ist stiller geworden um Maria 2.0 und auch um uns. Das Schreiben des Papstes ‚Querida Amazonia‘ mit einer klaren Absage an die Weihe für Frauen hat uns buchstäblich die Sprache verschlagen und uns stumm gemacht.
Nach vielen hoffnungsvollen Zeichen (z.B.: viele positive Reaktionen auf Maria 2.0, Beginn des synodalen Weges, Zunahme von Priestern und Bischöfen, die offen die Frauenordination befürworten, offene Diskussion zum Thema ‚Weihe für Frauen‘…) war das Schreiben des Papstes eine bittere Enttäuschung und ein herber Rückschlag.
Wir drei Frauen aus Lauchringen, die in unserer SE Maria 2.0 auf den Weg gebracht haben,  haben unterschiedliche Konsequenzen daraus gezogen.
Ulrika Schirmaier: ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass sich durch verschiedene Aktionen in der Kirche doch noch etwas bewegen lässt, wenn es auch sicher lange dauern wird. Ich bin der Meinung, dass es wichtig  ist, in der Kirche zu bleiben und dass Veränderungen aus der Kirche heraus möglich sind.  Ich setze meine Hoffnungen auf den begonnenen synodalen Weg und das Wirken des Hl. Geistes. Ich werde  mich weiter als Pfarrgemeinderätin, Mesnerin, Lektorin, Kommunionhelferin  und im Gemeindeteam engagieren.
Karin Höhl und Gertrud Bernauer-Eckert: für uns war mit dem Schreiben des Papstes klar, dass wir unsere religiöse Heimat verloren haben und dass in dieser Kirche kein Platz mehr für uns sein wird.  Wir sind  traurig, fühlen uns müde und kraftlos für einen aussichtslosen Kampf für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der kath. Kirche. Wir erkennen auch, dass ein weiteres Mitwirken in der kath. Kirche für uns nicht mehr möglich ist, da dies bedeutet, all das Widersprüchliche, Fragwürdige,  das Ungerechte, die Doppelmoral, die mit der Macht des Klerus verbundenen Möglichkeiten der Ausbeutung und des Missbrauchs  mitzutragen. Außerdem tragen wir mit unserem ehrenamtlichen Engagement dazu bei, das marode System der Kirche aufrechtzuerhalten.
Deshalb entschieden wir uns,  unsere Ehrenämter (Mitarbeit im Gemeindeteam, Lektorin, Kommunionhelferin, Leiterin von Wort-Gottes-Feiern, Pfarrgemeinderätin) niederzulegen. Wir sind bzw. werden aus der kath. Kirche austreten.  Es ist genug –  wenn die Kirche die Aufgabe der Frauen nur darin sieht, „die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria“ weiterzugeben und vor einer Klerikalisierung  der Frauen warnt, dann bleibt uns keine Wahl, als eine Glaubensgemeinschaft zu suchen, in der Frauen und Männer die gleichen Rechte haben, da ihnen in der Schöpfung die gleiche Würde geschenkt wurde. (Es bleibt die große Frage, warum die Kirche die Klerikalisierung der Männer nicht als Problem ansieht.)
Uns bleibt nur das Gebet dafür, dass der Hl. Geist da wirken möge, wo starres Denken, Traditionen  und falsche Sichtweisen Veränderungen verhindern und den Blick weitet für eine Zukunft, in der geweihte Frauen und Männer Seite an Seite unseren Glauben verkünden, Sakramente spenden und den Glauben leben.
Lauchringen, den 5. Mai 2020
Ulrika Schirmaier, Karin Höhl, Gertrud Bernauer-Eckert